Nachruf

Traurige Nachrichten vom Kulturrat der Deutschen aus Russland

Leider ist es ein sehr trauriger Anlass, diese Zeilen zu schreiben: Denn PETKAU, Kornelius, ein talentierter Musiker und Schriftsteller ist nun von uns gegangen und hat seinen Frieden gefunden.

Er wird uns allen, die ihn gekannt haben, schmerzlich fehlen. Herzlichstes Beileid an seine Verwandten vom Literaturkreis der Deutschen aus Russland e.V.
Bestattung:  22 Januar 2013, Siegfriedring 25, 65189 Wiesbaden, um 8.00 (Kapelle) Tel. :  0611 8410294 (Ehefrau)

Kornelius Petkau, geboren am 13.05.1936 im Dorf Gljadenj, Rayon Blagoweschenskij, Altairegion.

Absolvierte acht Klassen der Mittelschule. Arbeitete als Gehilfe des Traktoristen und Kombinefahrers, später als Leiter des Klubs in der Kolchose.
1955-1958 Wehrdienst in der Sowjetarmee, hauptsächlich im militärischen Volksensemble.
Danach absolvierte er die Leningrader Kulturfachhochschule.
Arbeitete als Gesangsleiter in der Schule, als Direktor der Musikschule und Direktor verschiedener Kulturanstalten des Altai.
Die letzten Jahre vor der Rente war Kornelius Petkau als Direktor des Altaierregionalen deutschen Kulturzentrums tätig.  Schreibt Gedichte und Prosa. In Deutschland Seit 1998. Mitglied des Literaturkreises der Deutschen aus Russland

Veröffentlichungen: Autor von 12 Büchern., u.a.
„Schlaflosikeit“, Gedichte; „Nichtgleichgültigkeit“, 2006;
„Sibirische Saga“, Kaliningrad, 2006.

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Auch einen weiteren Verlust müssen wir verkraften. Dr. Alexander SCHWAB hat uns verlassen.
Die Beerdigung von dem Musikwissenschaftler und ehemaligen Voristzenden des Kulturrates und der Ortsgruppe Köln der Landsmannschaft der Deutschen aus Russland, Dr. Alexander Schwab, wird am 21.Januar um 12 Uhr auf dem Müllheimer Friedhof in Köln (Frankfurter Str.) statt finden.
Tel. seiner Schwester Viktoria : 0221-8902252.

Alexander Schwab wurde in Temirtau (Kasachstan, Sowjetunion) am 6. April 1945 geboren.
Studium der Musikwissenschaft am «Staatlichen Institut der Künste» in Frunse (Kirgisien, UdSSR); Staatsexamen 1974.Dr. Schwab
1977 Übersiedlung in die Bundesrepublik Deutschland, Studium am Musikwissenschaftlichen Institut der Universität zu Köln, Promotion 1990.

Dr. Alexander Schwab gehört zu den wenigen Musikforschern, die professionell das russlanddeutsche Liedgut analysiert hatten. Sein Name wird in der gleichen Reihe genannt mit den großen Liedgutforschern wie Peter Weinand (Saratow), Georg Schünemann (Deutschland), Viktor Shirmunskij (UdSSR), Ellinor Johannson (Odessa).

Wie kein anderer ging er behutsam mit dem Schaffen von russlanddeutschen Musikern und Liedersammlern um. In seinen wissenschaftlichen Arbeiten, Büchern, Broschüren und Artikeln würdigte er das Schaffen von Oscar Geilfuss, Heinrich Bachmann, Johann Windholz, Viktor Klein und Sepp Österreich.

Als Vorstandsmitglied des Kulturrates und in der Zeit von 2002 bis 2011 als dessen Vorsitzender leistete er nach allen seinen Kräften die Unterstützung Albert Polle, dem Gründer und Leiter des Orchesters der Deutschen aus Russland und des Orchesters der Deutschen Jugend aus Russland. Albert Polle schätzte Dr. A. Schwab sehr. Seine Meinung war für ihn besonders wichtig.

Ausgehend aus der Prämisse, dass der Gesang neben der Sprache zu den natürlichsten Ausdrucks formen eines jeden Volkes gehört, traute sich Dr. Al. Schwab die Frage zu stellen, ob man überhaupt noch von einem Liedgut der Russlanddeutschen sprechen kann, wo diese seit der Deportation von 1941 unter anderen Völkern leben, kaum geschlossene Siedlungsgebiete bilden und vor allem in der Schule und im Beruf russisch sprechen müssen. Außerdem konnte durch den „eisernen Vorhang” keine Information über das Musikleben der Deutschen in der Sowjetunion und über die Forschung sowjetischer Musikwissenschaftler auf dem Gebiet des „sowjetdeutschen Liedes” in den Westen gelangen, was das Bild über die russlanddeutsche Musik bei den Musikwissenschaftlern in der Bundesrepublik mit prägte. So schrieb Dr. Alexander Schwab: “Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion und der Massenübersiedlung der Russlanddeutschen nach Deutschland, präsentiert sich deren Musikleben als sehr heterogen: neben in Deutschland längst vergessenen, bei den Russlanddeutschen aber „konservierten” alten Volksweisen, werden deutsche Lieder mit russischen Texten, häufiger aber russische Lieder mit deutschen und russischen Texten gesungen, wobei es auch eine Rolle spielt, aus welchen Gegenden die Spätaussiedler kommen”, (“Das Liedgut der Russlanddeutschen. Al. Schwab, 2004).

Dr. Alexander Schwab erwiderte einigen Forschern des Osteuropäischen Liedgutes, die die Existenz des russlanddeutschen Liedgutes unter Zweifel gesetzt hatten, und unternahm eine Beschreibung des Gesamtbildes vom russlanddeutschen Liedgut und dessen Forschung. Die von ihm vorgeschlagene Klassifizierung des Liedgutes basiert auf den Erkenntnissen und Geschichte der russlanddeutschen Leidgutforschung.
So entstanden seine Abhandlungen zu den Themen:

  • ” Zur Frühperiode der Sammel- und Forschungstätigkeit auf dem Gebiet des russlanddeutschen Liedes”
  • “Das geistliche Lied der Deutschen in Russland”
  • “Das russlanddeutsche Lied nach 1945″
  • “Das Lied der Russlanddeutschen heute”

Die Verdienste von Dr. A. Schwab sind nicht nur in der Forschung. Er legte viel Wert darauf, dass die Musikkultur wie das Liedgut der deutschen aus Russland eine Weiterentwicklung erleben. Er gehörte zu den wahren Hütern und Pflegern der Heimatkultur.

Dr. Alexander Schwab suchte stets nach Möglichkeiten, auch den russlanddeutschen Chören in Deutschland zu helfen an das Notenmaterial zu gelangen.Die Sammlungen der früher veröffentlichten russlanddeutschen Lieder waren meistens über den Handel nicht mehr zu bekommen; aber auch von den Bibliotheken gab es nur wenige, die sie in ihrem Bestand hatten. Das war nicht zuletzt der Anlass dafür, dass die Landsmannschaft der Deutschen aus Russland e.V. vor einigen Jahren beschloss, ein „Russlanddeutsches Liederbuch” zu veröffentlichen, in dem eine Auswahl aus den bekannten Sammlungen der Vergangenheit, aber auch einige neuen Lieder Aufnahme finden sollten, in dem beim Gehann-Verlag 1991 veröffentlichten Liederbuch (Hrsg: Alexander Schwab, Köln) sind die Lieder einstimmig gesetzt, so dass die Sänger ihre Interpretationskunst entfalten können.

Dr. Alexander Schwab war imstande, die Rolle des Gesangs sowohl als Integrationshilfe beim Erlernen der Sprache wie auch als sozialpsychologische Stütze hoch einzuschätzen.

Dr. Alexander Schwab schuf sich einen Namen nicht nur als Forscher, er beteiligte sich aktiv an der Kulturarbeit der Deutschen aus Russland. Er stand auch der Ortsgruppe der Landsmannschaft in Köln vor, hat seinerzeit den Arbeitskreis der Wolgadeutschen angeleitet. Mich wie auch Viele macht es sehr traurig, dass so ein wunderbarer Mensch von uns gegangen ist.

Ernst Strohmaier
Vorsitzender des Kulturrates der Deutschen aus Russland e.V.

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